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Auf den Spuren der Nachhaltigkeit unserer Zeitung - Teil 2

Auf den Spuren der Nachhaltigkeit unserer Zeitung - Teil 2
Von Daniela Meeß vor 12 Tagen Keine Kommentare

Nach den Ressourcen in Teil 1, wenden wir uns in Teil 2 nun den Vorbereitungen für den Druck zu: Druckplatte und Farbe. Auch hier steckt mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit drin, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Druckplatte
Unsere thermischen Druckplatten erhalten wir von Fujifilm und zum überwiegenden Anteil von Kodak. Alle unsere Druckplatten werden nach der Produktion dem Recycling-Kreislauf zugeführt, denn sie bestehen im Wesentlichen aus Neu-Aluminium, was energieaufwändig hergestellt wird und sich damit hervorragend in der weiteren Verwendung für andere Aluminiumprodukte z.B. im Automobilbereich eignet.


Seit vielen Jahren begleiten wir unseren Partner Kodak bei der Entwicklung prozessloser thermischer Druckplatten und unterstützen mit Tests in der täglichen Produktion. Prozesslos heißt dabei, dass Plattenverarbeitungsanlagen (Entwickleranlagen) eliminiert werden können und der Verbrauch an Wasser, Energie und Chemie, inklusive der Entsorgung der benötigten Stoffe vollständig entfällt.


Bei unseren MAN Colorman XXL Druckmaschinen tauschen wir bei den Tagezeitungen für die einzelnen Regionen nicht die Druckplatten für alle 48 Seiten aus, sondern nur die Titelseite und die jeweiligen Seiten mit regionaler Berichterstattung. Der überwiegende Teil der Druckplatten bleibt also in der Druckmaschine für mehrere Regionen, außer es gibt eine Aktualisierung. Dies alles ist möglich, weil unsere Druckplatten genauso groß sind wie eine Zeitungsseite. Der gesamte Workflow bis hin zur Befestigung der Druckplatten in der Druckmaschine ist auf die Zeitungsseitengröße ausgelegt. Dies liefert im Vergleich zum Bogendruck oder anderen Druckverfahren, bei welchen sich die Seiten alle auf einer großen Druckplatte befinden, einen erheblichen Vorteil an Flexibilität, Geschwindigkeit und schließlich auch Nachhaltigkeit.


Nach der Zeitungsproduktion werden alle Druckplatten recycelt. Der Metallanteil lässt sich praktisch vollständig zurückgewinnen. Dadurch sinkt der zur Herstellung von Aluminium erforderliche Energieaufwand um über 90%.

Zeitungsdruckfarbe und Gesundheit
Steigen wir mit einer kleinen Anekdote ein, die wir bei Zeit Online nachgelesen haben: Aus Angst vor Gesundheitsschäden durch die Druckfarbe einer Zeitung und um beim Lesen keine schwarzen Finger zu bekommen, lassen sich Englische Lords angeblich die Zeitung von ihrem Butler bügeln. Die Wärme verstärkt die Bindung der Farbe ans Papier, weil Zeitungen im Gegensatz zu anderen Druckerzeugnissen lediglich "mechanisch" getrocknet werden (hierzu mehr in Teil 3). Für alle Leser ohne Butler stellt sich nun die Frage, ob sie von der Farbe an den Fingern Gesundheitsschäden befürchten müssen?


Wir können Sie direkt beruhigen: Zeitungsdruckfarben sind nicht gesundheitsschädlich. Die vier Farben, mit denen eine moderne Zeitung gedruckt wird (Schwarz, Blau, Rot und Gelb), sind sogenannte Pigmentfarben – in ihnen sind die Farbstoffe nicht gelöst, sondern liegen als winzige Partikel vor. Diese Pigmente lösen sich weder in Wasser noch in anderen Lösemitteln, schon deshalb sind sie gesundheitlich kaum bedenklich. Hinzu kommt, dass die Druckfarbenindustrie in den vergangenen Jahrzehnten giftige Schwermetalle aus den Farben eliminiert hat. Die schwarzen Pigmente sind im Wesentlichen Ruß, die bunten Farbtöne enthalten organische Substanzen. Im Blau sind Kupferverbindungen enthalten, aber auch diese liegen in einer unlöslichen Form vor, die im Körper nicht aufgespalten wird. Das gilt ebenso für die Chlorverbindungen, die in den gelben Pigmenten stecken.


Damit es zu einer Vergiftung käme, müsste man eine in Tierversuchen ermittelte Dosis von zwei Gramm Farbe pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Da der Gewichtsanteil der Farbe an einer Zeitung höchstens zwei Prozent beträgt, müsste selbst ein kleines Kind drei komplette Augsburger Allgemeine Ausgaben essen, bevor es gefährlich wird. Man kann also die Zeitung beim Frühstück lesen, man kann Fisch damit einwickeln und sie in den Kompost geben, ohne dass man sich deshalb Sorgen um seine Gesundheit machen müsste!
(vgl. Zeit Online – Gefahrlos genießbar – Druckfarbe)

Zeitungsdruckfarbe und Umweltschutz
Betrachtet man den gesamten Prozess von der Lieferung bis zum Recycling, lässt sich feststellen, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch bei der Druckfarbe eine bedeutende Rolle spielen. Unsere Farblieferanten kümmern sich um eine nachhaltige und bewusst ressourcenoptimierte Produktion der Zeitungsdruckfarben. Die Herstellung selbst ist kein nennenswert umweltbelastendes Verfahren.


Die Farbe selbst ist weder kennzeichnungspflichtig noch wassergefährdend und wird bereits seit einigen Jahren mit einem Anteil von ca. 20% nachwachsender Rohstoffe hergestellt. Nach der Produktion wird die Farbe in großen Mehrweg-Containern transportiert und in Farblagern eingelagert. Von dort werden die Maschinen direkt über Rohrleitungen mit Farbe versorgt. Somit findet weder Verpackungsmüll noch ein Farbverlust im Druckbereich statt.


Im Druckprozess der Zeitung wird auf die aufwändige Trocknung verzichtet, von daher wird dort sehr viel Energie über das Verfahren selbst gespart (dazu mehr in Teil 3). Und auch beim Recyclingprozess der Druckprodukte bietet das De-Inking (Druckfarbenentfernung) viele Vorteile für die Weiterverwertung (dazu mehr in Teil 4).

Mineralölfreie Zeitungsfarben
Mineralölfreie Zeitungfarben – also vollständig mit pflanzenölbasierten Lösemitteln hergestellte Farben - sind bereits verfügbar, finden aber in Europa aktuell noch eher selten Anwendung. Zum einen sorgen höhere Rohstoffkosten für einen 1,5- bis 2-mal so hohen Preis für diese Druckfarbe. Zum anderen müssten die Zeitungsdruckmaschinen in einem aufwändigen Verfahren auf die mineralölfreien Druckfarben angepasst werden.


Es laufen kontinuierlich Forschungsprojekte, um mineralölfreie Zeitungsdruckfarben in der Verdruckbarkeit zu optimieren und einen alltäglich Einsatz zu ermöglichen. Nicht nur, um die Anforderungen des Blauen Engels für Druckerzeugnisse zu erfüllen, sondern auch, um Ressourcenschonung, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit über den gesamten Prozess der Zeitungsfarbe und des Zeitungsdrucks noch besser umzusetzen.

Einen kontroversen Aspekt möchten wir nicht unerwähnt lassen: Durch den vollständigen Einsatz von Ölen aus Pflanzen, also Getreide und Ölsaaten, wird die Hungersnot auf der Welt eher verschärft. Die für die Farbherstellung eingesetzten Pflanzen fehlen an anderer Stelle als Nahrungsmittel. Die Nachhaltigkeit für umweltfreundlichere Farben steht also in Konkurrenz zur nachhaltigen, globalen Ernährungssicherung. Hier gilt es für unsere gesamte Industrie eine Haltung festzulegen und eine Antwort auf diese Zwickmühle zu finden – kein einfacher Prozess.