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Auf den Spuren der Nachhaltigkeit unserer Zeitung - Teil 4

Auf den Spuren der Nachhaltigkeit unserer Zeitung - Teil 4
Von Daniela Meeß vor 12 Tagen Keine Kommentare

Im letzten Teil der Serie schließen wir den Kreislauf rund um das Produkt der Zeitung mit dem Recycling ab. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Öko-Bilanz der Printzeitung im Vergleich zu digitalen Medien, auf den Nachhaltigkeitsansatz unserer Wochenzeitung am Samstag und den Zustellprozess auf der letzten Meile.

Das Leben des (Zeitungs-) Papiers
Man sagt: Papier hat sieben Leben. Denn es kann theoretisch bis zu sieben Mal wiederverwertet werden. Die ersten Male werden die Fasern für hochwertige Papierprodukte wie Kopierpapier, Schreibhefte und Bücher wiederverwendet. Erst in späteren Aufbereitungszyklen dann als Zeitungspapier oder Verpackungsmaterial. Der letzte Zyklus im Leben einer Zellstofffaser wäre bei optimaler Nutzung das Toilettenpapier. Allgemein liegt der Altpapieranteil im Zeitungspapier zwischen 80 und 100 Prozent ist. Die Recyclingquote in Deutschland bei grafischen Papieren liegt bei 83%.

Um die Reißfestigkeit von Papier zu verbessern, kann es jedoch nötig werden, frische Fasern hinzuzufügen. Für die Produktion von Zeitungspapier werden allerdings keine Bäume gefällt. Wenn Frischfasern aus Holz beigemischt werden, handelt es sich überwiegend um Sägewerksabfälle oder Durchforstungsholz. Bei der Durchforstung nehmen Forstwirte schwächere Bäume aus dem Wald heraus, um den übrigen Bäumen bessere Wachstumschancen zu geben.

Holzfasern, die in Deutschland für die Papierherstellung genutzt werden, stammen durchweg aus nachhaltig bewirtschafteten und meist zertifizierten Wäldern. Dies bedeutet, dass für jeden eingeschlagenen Baum wieder neue Bäume nachwachsen und das Ökosystem Wald nicht mehr als unbedingt notwendig beeinträchtigt wird.

Recycling beginnt beim Leser
Die gelesene Zeitung landet im Altpapier, welches in einer Recyclinganlage von Störstoffen befreit wird. Gepresst geht es dann in die Papierfabrik zum sogenannten De-Inking. Dabei werden die Druckerfarben chemisch vom Papier abgelöst. Luftblasen werden durch den Faserbrei gepumpt, an denen sich die Farbpartikel festsetzen und so an die Oberfläche getrieben werden. Nach diesem Reinigungsschritt wird die Masse durch Zugabe von Wasser in die einzelnen Fasern zerlegt (Heißzerfaserung). Anschließend wandert das Altpapier in den normalen Papierherstellungs-Kreislauf und steht letztendlich wieder den Druckereien oder Verbrauchern zur Verfügung.

Das Recyclingpapier spart nicht nur Holz und Primärfasern, sondern ebenfalls jede Menge Wasser und Energie.


Printzeitung versus digitale Medien – eine Öko-Bilanz
Elektronische Medien gelten vielfach als umweltfreundlicher, wenn es um die Verbreitung von Informationen geht. Doch sie haben einen oft unterschätzten ökologischen Fußabdruck. Wissenschaftliche Studien des Fraunhofer-Instituts und des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung belegen, dass digitale Angebote aus ökologischer Sicht nicht per se der gedruckten Zeitung vorzuziehen sind.

Ohne die Berücksichtigung der sehr aufwändigen Geräteherstellung verbraucht die Printzeitung im Vergleich zur Online-Zeitung auf den ersten Blick mehr Primärenergie. Der ökologische Fußabdruck sowie die Gesamtumweltbelastung sind ebenfalls größer. Im Durchschnitt liest jeder Deutsche 312 Tageszeitungen pro Jahr. 312 gedruckte Tageszeitungen erzeugen bei der Herstellung eine Emission von 79 kg CO2. 312 Online-Zeitungen erzeugen dagegen nur 48 kg CO2, sofern diese auf einem iPad unter Benutzung von W-LAN gelesen werden – wird das Handynetz bzw. UMTS genutzt, verschlechtert sich die Bilanz. Berücksichtigt man jedoch, dass eine gedruckte Tageszeitung im Durchschnitt von ca. 2,8 Personen (Familie, Kollegen, Frisör, WG) gelesen wird, verschiebt sich das Verhältnis mit 28,2 kg CO2 pro Person deutlich zugunsten des gedruckten Mediums (79 : 2,8 = 28,2). Wird die gedruckte Zeitung länger als 26,5 Minuten gelesen ist sie bereits ökologischer als die digitale Zeitung. (Quelle: Studie „Elektronische Medien sind nur manchmal ökologisch vorteilhaft“ vom Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) sowie das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) im Auftrag des Fachverbandes Druck und Papiertechnik.)

Außerdem muss auch die aufwändige Herstellung der Endgeräte (z.B. Laptop, Handy, Tablet) betrachtet werden. Hierfür werden wertvolle Bodenschätze, wie seltene Erden, abgebaut. Des Weiteren werden für die Übermittlung von Daten beachtliche Mengen an Energie verbraucht. Vernachlässigt wird auch oft, was mit der „ausgedienten“ Technik passiert. Alte Mobilgeräte landen irgendwann im Hausmüll. Auch wenn es mittlerweile fachgerechte und ökologische Entsorgungsmöglichkeiten für Elektroschrott gibt, besteht noch jede Menge Nachholbedarf bzgl. des Recyclings dieser Rohstoffe in neue Produkte. Das funktioniert beim Papier und seinen sieben Leben viel besser.

Die IKT-Industrie (Informations- und Kommunikationstechnik) ist für etwa 2,5-3% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Zahl für die Papier-, Zellstoff- und Druckindustrie beläuft sich auf 1%. Es wird prognostiziert, dass der Anteil der IKT-Industrie bis 2040 auf 14% steigen wird.


Es kommt bei der Öko-Bilanz der Print bzw. Online-Zeitung also auf unterschiedliche Faktoren an:

  • Lesedauer und Häufigkeit der Nutzung?
  • Wie viele Menschen nutzen ein Medium gemeinsam?
  • Welche Hardware wird genutzt?
  • Wie sind Qualität und Herkunft des bedruckten Papiers?
  • Welcher Strom wird verwendet? Öko-Strom oder nicht?
  • Wie werden die Produkte entsorgt?

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sowohl elektronische Kommunikationsmittel als auch Druckerzeugnisse Auswirkungen auf die Umwelt haben. Je länger die Lesedauer und je mehr Leser sich die Zeitung „teilen“, desto größer wird der ökologische Vorteil der Printzeitung. Letztendlich ist es wichtig, mit allen Medien verantwortungsvoll umzugehen. Das bedeutet zum Beispiel, Papierverschwendung zu vermeiden und elektronische Medien auszuschalten, wenn sie nicht benötigt werden.


Etablierter Nachhaltigkeitsansatz bei der Wochenzeitung am Samstag - MSS-A
Die Direktwerbung Bayern (DWB) hat bereits 2012 eine Umweltschutzinitiative gegründet, um zum einen die komplette Samstagsproduktion (Kommissionierung, Logistik und Zustellung) aller unadressierten Gratismedien über den Kauf von Zertifikaten CO2-neutral zu stellen und zum anderen regionale Umweltschutzprojekte zu realisieren. Finanziert wird die Initiative seit vielen Jahren von den Paten aus dem Handelsbereich: Norma und Fressnapf. Aufgrund der wichtigen Nachhaltigkeits- und Umweltschutz-Aspekte hat die MSS-A 2020 das Programm unverändert übernommen und fortgeführt. Regelmäßig werden Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen für die Leser aufbereitet und dabei auch über Ansätze aus der eigenen Produktion berichtet.

Nachhaltigkeit auf „dem letzten Weg“ - ZSP
Für die Zeitungs- und Briefzustellung hat die ZSP Zustellservice Plus GmbH Co. KG (ZSP) aktuell 439 Lastenräder, 30 E-Bike-Lastenräder und 2 E-Trikes (E-Bike mit 3 Rädern) im Einsatz. Außerdem fördern wir die Anschaffung von privaten Lastenrädern, da viele Zusteller die Zeitung mit ihren eigenen Fahrrädern zustellen. Klar im Fokus steht, die Ausliefer-und Abhollogistik - wo möglich und sinnvoll – in den kommenden Jahren mit Nachdruck zu elektrifizieren.